Artikel-Schlagworte: „Wie geht Revolution?“

2011
Jun
1

Die Frage // So geht Revolution

avatar Christine

Arabischer Frühling… europäischer Sommer?

Am Wochenende haben es die Franzosen den Spanieren gleich gemacht und haben den Revolutionsplatz par excellence besetzt: Den Place de la Bastille, sozusagen den Tahrir-Platz der letzten Jahrhunderte. Sie demonstrieren wie die Spanier gegen Sparhaushalte, korrupte Politiker und die politische Elite, gegen Arbeitslosigkeit und zu teure Wohnungen. Am Sonntagabend hat die Polizei den Platz zwar geräumt, aber die Franzosen versprechen – sie kommen wieder. Damit lösen sie das ein, was Protest-Altmeister Stéphane Hessel von ihnen fordert: Empört Euch! Gründe dafür gibt es genug!

Grundlagen jeder Revolution

Empörung ist also der Motor jeder Revolution, jedes Protests. Zweite Grundlage: die Organisation. Organisiert euch – egal wie, ob per Netz oder Telefonlawine. Je mehr über Protestaktionen berichtet wird, desto mehr Leute machen mit. Und dann geschieht das, was Srdja Popovic von der serbischen Jugendbewegung Otpor das “Enthusiasmus statt Angst Phänomen” nennt – je mehr Leute auf die Straße gehen, je mehr Leute sich trauen gegen ein Regime zu demonstrieren, desto schneller hat das Regime verloren.

 Friedliche Haie

Die dritte Grundlage hat mir auch Srdja geliefert. “Movements are like sharks. If shark stops, shark dies.” Revolutionen müssen immer weiter wachsen, mehr Menschen, mehr Aktionen – da geht der Satz “Masse macht’s” wirklich mal auf. Bei all dem ist klar, nur wenns friedlich bleibt, geht die Rechnung auf. Sobald Gewalt im Spiel ist, ist der Schritt zum Bürgerkrieg nicht weit.

Die beste Erkenntnis nach diesen zwei Wochen Recherche ist für mich aber: Revolution ist machbar. Das haben mir Srdja und die ägyptische Radiomacherin Amani gezeigt. 

Hier gibt’s die ganze Sendung “Wie geht Revolution?”

In diesem Sinne, empört euch – und das muss ja nicht immer nur über sowas Banales sein, wie den Typen, der auf der Rolltreppe links steht….

2011
Mai
27

Die Frage // Read the Revolution

avatar Christine

Beim Endspurt in meinen Recherchen zur Frage: Wie geht Revolution? bin ich zwei Bücher gestoßen, die ich euch nicht vorenthalten will. Vor allem ihre Autoren nicht: Gene Sharp ist über 80, Stéphane Hessel schon 93… und trotzdem – oder gerade deswegen – sind die zwei echte Gurus in Sachen gewaltloser Widerstand.

Schon mal ein sick-in versucht?

Gene Sharps Buch “From Dictatorship to Democracy” enthält 198 praktische Anweisungen, wie man gewaltlosen Widerstand organisiert. Schon mal an ein “sick-in” gedacht? An ein kollektives Krankschreiben? Oder daran, an einem bestimmten Tag alle dasselbe zu tragen, um den kollektiven Unmut auch nach Außen sichtbar zu machen…? Klingt einfach, soll es auch sein. Das Buch ist in alle möglichen Sprachen übersetzt, und wurde auch während der arabischen Revolutionen ordentlich geklickt. Reinschauen in den Leitfaden könnt ihr hier

Empört Euch! Engagiert Euch!

Zweiter Lese-Tipp –  Nur knapp 30 Seiten dick und von: Stéphane Hessel. Widerstandskämpfer in der französischen Résistance und 1948 Mitautor der Charta der Menschenrechte bei der Uno. Dem kann man also schon glaube, wenn er sagt “Empört Euch!”. Er findet, dass der Zustand der Welt, die Schere zwischen Arm und Reich und die Umweltkatastrophen uns allen Grund geben müssten, endlich auf die Barrikaden zu gehen. Der Nachfolger von “Empört euch!” ist auch schon im Druck. “Engagiert Euch!” kommt im Juli heraus. Wieder nur um die 30 Seiten dick. Passt also genau noch in den Unirucksack, wenn man sich mal wieder über die Studiengebühren ärgert….

In diesem Sinne, am Wochenende regnets eh…. Read the revolution!

2011
Mai
21

Die Frage // Kann man Revolution lernen?

avatar Christine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gibt es einen Studiengang Widerstand?!?! So was Ähnliches jedenfalls habe ich an der Uni Belgrad gefunden. Hinter dem Studiengang steckt CANVAS, das „centre for applied nonviolent action and strategies“ in Belgrad. Und das wiederum hat sich aus der serbischen Jugendbewegung Otpor entwickelt….

Otpor war 2000 daran beteiligt, dass der serbische Präsident Slobodan Milosevic gestürzt wurde – ihre Methoden waren hauptsächlich Graswurzel-Aktionen auf den Straßen, die der Gruppe aber breite Sympathie und Medienecho einbrachten. Bei der Aktion „Dinar for a change“ zum Beispiel konnten Passanten gegen ein bisschen Kleingeld auf einen auf ein Ölfass gezeichneten Milosevic einschlagen. Lustige Ideen und friedlicher Widerstand also par excellence. 

Wie man einen Diktator los wird….

Orientierung gab der Gruppe dabei das Werk von Gene Sharp: From dictatorship to democracy. 198 Ideen für friedlichen Widerstand, vom Sitzstreik, über kollektives Blau-Machen bis zum Aufbau einer Parallelstruktur in der Verwaltung. Runterladen kann man sich den Klassiker des gewaltfreien Widerstands hier.

Gene Sharps Werk war genauso wie das Canvas-Buch „50 entscheidende Punkte für den gewaltlosen Kampf“ ein Klickzahl-Renner während der Revolution in den arabischen Ländern. Auch die schwarze Faust, das Otpor-Symbol, war bei den Revolutionen manchmal zu sehen. Bei den Farb-Revolutionen in der Ukraine und Georgien soll Canvas ebenfalls Jugendliche in Sachen friedlicher Widerstand geschult haben. Die Süddeutsche Zeitung hat Otpor / Canvas deshalb schon als „Umsturz GmbH“ betitelt….

Kann man Revolution also doch lernen….? Mit dem Otpor-Gründungsmitglied Srdja Popovic werde ich nächste Woche telefonieren. Wenn ihr Fragen an ihn habt – her damit!

2011
Mai
18

Die Frage // Wie geht Revolution?

avatar Christine

 

Mubarak ist weg. Da haben ihm auch die Kamele und Pferde nichts mehr geholfen, die er als letztes Aufbäumen gegen die Revolution auf den Tahrir-Platz gejagt hat. Die Demonstranten sind geblieben, Mubarak hat abgedankt.

Dass in Ägypten so schnell die alte Welt zusammenbricht, hätte niemand gedacht. Als ich vor gut einem Jahr für eine Radiosendung über Ägyptische Bloggerinnen in Kairo unterwegs war, war von Revolution wenig zu spüren. Verdruss? Ja, der war da. Aber Revolution? Aufstand? Alle hier viel zu unpolitisch, hieß es immer. Und dann standen genau diese Leute ein paar Monate später auf der Straße, geduckt hinter irgendwelchen Autotüren, damit sie keine Steine und Molotowcocktails abbekommen…

Was ist da passiert? Was sind das für letzte Tropfen, die das revolutionäre Fass zum Überlaufen bringen? Wann steht man auf und sagt: Jetzt reicht’s!

Ich frage mich: Wie geht Revolution? Und zwar nicht nur die in der arabischen Welt, sondern auch hier bei uns. Die nächsten zwei Wochen will ich wissen was passieren muss, damit man vom Couch-Potatoe zum Bannermaler wird. Mein Verdacht… ziemlich viel, denn ich hab heute schon mal das revolutionäre Potential der Münchner getestet:  

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Ok, Deutschland ist nicht Ägypten. Aber… von nichts kommt auch hier nichts. Und es gäbe ja schon einiges zum Revoltieren – eben im Kleinen. Studiengebühren, viel zu hohe Mieten, Atomkraftwerke…

Wofür würdet ihr Revolution machen?Schreibt mir eure Meinungen, Tipps und Diskussionsbeiträge zum Thema hier in den Blog!