Artikel-Schlagworte: „Neuer Beruf – besseres Leben?“

2011
Jun
21

Die Frage: Soll ich meinem Kindertraum folgen?

avatar Sebastian

Von der Baustelle auf weiche Polstermöbel: Meine letzte Station auf der Suche nach Antworten ist ein Termin mit einer Psychologin. Sie berät planlose Berufseinsteiger und frustrierte Mittdreißiger. „Institut für Potentialanalyse“ heißt das Ganze. Daniela Riess-Beger heißt die Psychologin, ihr Service ist, so hoffe ich, keine zwielichtige Geldmacherei wie bei vielen anderen ‚Beratern’. Immerhin ist sie im Verband für Berufsberatung und Lehrbeauftragte an einer Hochschule. Von ihr will ich wissen, welcher Beruf der richtige für mich ist. Und ob ich meinen jetzigen hinschmeißen soll, um Zimmerer zu werden.

Was muss mein Beruf haben, damit er mich glücklich macht, was wollte ich als kleiner Junge werden, was nervt mich im Job – das sind Fragen, die die Psychologin mir stellt. Nach mehr als einer Stunde kennt sie so ziemlich meine komplette Lebensgeschichte. Dann setzt sie mich an einen Computer und lässt mich einen Fragebogen durchklicken. Mehr als 200 Fragen sind es – einige davon ziemlich komisch gestellt. Sie sollen herausfinden, wie ich mich selbst sehe.

Wie frustriert muss man wirklich sein?

Nach der Auswertung legt Daniela Riess-Beger mir eine Kurve mit vielen Zahlen vor und verknüpft die Ergebnisse des Tests mit ihren Erkenntnissen aus dem Gespräch. Und was sie so über mich herausfindet, klingt plausibel.

Ich kann schon mal verraten: Vom Jobwechsel hat mir die Psychologin abgeraten. Aber sie erklärt auch ganz allgemein: Wie frustriert muss man wirklich sein, damit ein Jobwechsel Sinn hat? Und sind Kindheitsträume gute Ratgeber bei der Berufswahl? Die Antworten erfahrt ihr in der Sendung „Neuer Beruf – besseres Leben“ – entweder im Podcast auf on3.de oder am Sonntag um 11.00 Uhr auf on3-radio.

2011
Jun
16

Die Frage // Wie geht’s zu auf dem Bau?

avatar Sebastian


Heute geht’s raus zum Kunden, um die Puzzleteile auf der Baustelle zu einem fertigen Blockhaus zusammen zu bauen. Der Keller ist bereits gemauert, darauf sitzt eine Bodenplatte aus Beton, auf die wir Holzblöcke stapeln. Schnell durchschaue ich den Plan und kann jeder Wandnummer die passenden Teile zuordnen. Sind ja alle beschriftet.

Anpacken
Die Jungs von der Zimmerei trauen mir durchaus was zu: Ich schleppe Balken umher, setze die Fräsung aufeinander und schlage sie einhändig mit einem riesigen Vorschlaghammer ineinander. Anschließend säge ich große Platten zur Wärmeisolierung aus, montiere sie an die Außenwände und verkleide sie mit den Holzbrettern für die Innenwände.

Staunen
Als wir in der Garageneinfahrt im Keller zu Mittag essen, steht über uns schon das fertige Erdgeschoss, darin duftet es nach Fichtenholz. Und es sieht jetzt schon super aus mit den warmen Farbtönen. Ein ganzes Eigenheim aus Rohstoff, der nachwächst – wie kann man nur Häuser aus Stein bauen?

Durchhalten
Einen Haken hat das Arbeiten: Ich bin völlig durchnässt, es hat den ganzen Vormittag geschüttet und mein altes Regenzeug ist undicht. Nicht, dass das hier jemanden interessieren würde, nass werden alle und Aufhören ist ausgeschlossen. Klar, wer im Freien arbeitet, macht das normalerweise bei jeder Witterung. Doch auf dem Bau ist das nicht ganz so. Im Winter ruht die Arbeit nämlich, viele Handwerker werden saisonal arbeitslos. Im Sommer hart buckeln, im Winter “Stempeln gehen” – ein schöner Traumberuf ist das.

2011
Jun
15

Die Frage // Bin ich der geborene Häuslebauer?

avatar Sebastian

Bei strahlendem Sonnenschein auf einem Dachbalken stehen – so läuft das als Zimmerer, dachte ich. Von wegen. Mein erster Tag im Traumjob meiner Kindheit war so ziemlich das Gegenteil davon.

Viel zu früh muss ich raus, krame alte Klamotten aus dem Schrank, schlüpfe in meine neuen Sicherheitsschuhe und düse in den Betrieb. Statt Aufstehen um acht heißt es heute: Dienstbeginn um sieben. In der Halle bereiten die Jungs von der Zimmerei ein Blockhaus aus Massivholz vor. „Abbinden“ nennen sie das. Auf einer großen Tafel hängen die Pläne für jedes Puzzleteil des Hauses, so ähnlich wie Möbelskizzen von Ikea, nur komplizierter. Ich bin müde, ganz im Gegensatz zu den Jungs um mich herum. Anstatt zu gehen, flitzen sie. Ungelogen.

Bretter schneiden, Stapler fahren

Stundenlang helfe ich beim Zuschneiden von Schalungsbrettern für einen Dachstuhl: Anzahl und Länge aus dem Plan suchen, Länge einstellen, Ohrenschützer auf und los. Die Bretter sind makellos gehobelt und duften nach frischem Fichtenholz. Sie flutschen so schnell durch die Säge, dass ich kaum mit Aufstapeln nachkomme.

Der Höhepunkt des ersten Tages: Stapler fahren. Fritz erklärt mir kurz, welcher Hebel welches Teil bewegt, dann darf ich ran. Im Stottermodus zittere ich das Bretterbündel über den Hof und muss es in einem riesigen Regal ablegen. Viel zu oft kontrolliere ich nervös, ob ich anstoße. “Fahr nur zu”, sagt Fritz, “basst scho”. Dabei hätte ich die Ladung fast daneben gekippt.

Erste Erkenntnisse

Um 17:00 Uhr ist Feierabend, eine Viertelstunde später bin ich zu Hause. Eigentlich super, so früh mit der Arbeit fertig zu sein. Aber als ich die staubigen Klamotten ins Eck werfe, denke ich nur noch an zwei Dinge: essen und faulenzen. Und ich merke: Mein Rücken schmerzt weniger als nach einem Tag am Schreibtisch.

2011
Jun
8

Die Frage // Neuer Beruf – besseres Leben?

avatar Sebastian

Unsere Frage fängt diesen Monat mit ein bisschen Job-Genörgel an, wie es wahrscheinlich jeder kennt: Ich, beispielsweise, schleppe mich jeden Morgen durch klimatisierte Gänge mit grauem PVC-Boden hin zum Schreibtisch, drücke den Einschaltknopf am Rechner und starre den Rest des Tages in einen viereckigen Kasten. Über mir surrt die Leuchtstoffröhre, draußen ist Sommer – geht’s noch?

Sinnkrise im Bürojob

Abends wenn ich den PC herunterfahre, kann ich nicht mehr sagen, was ich eigentlich geschaffen habe. Wo ist das Ergebnis meiner Arbeit? Und das soll ich dann Beruf nennen – wie Berufung? Es klingt wie ein Klischee, aber manchmal wünsche ich mir, ich hätte – sprichwörtlich – “was G’scheits” gelernt!

Ich hatte da mal einen Traumberuf. Früher wollte ich Zimmerer werden. Häuser aus Holz bauen, braungebrannt auf dem Dach stehen, auf Wanderschaft gehen. Stattdessen sah mein Leben so aus: Abitur, Studium, Praktikum, Schreibtischjob.

Ausweg Traumberuf?

Nagt an Euch auch manchmal der Verdacht: Im Traumberuf wäre man vielleicht glücklicher geworden? Und darum probier ich das jetzt aus. Ich will herausfinden, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich mich gegen Studium und für meinen Traumberuf entschieden hätte. Was wäre, wenn ich tatsächlich was Gescheites gelernt hätte? Und darum geh ich in die Zimmerei. Als Handwerker. Meine Erfahrungen als Schreibtisch-Schluffi auf dem Bau könnt ihr hier die nächsten Wochen verfolgen.

Und hoffentlich finde ich am Ende eine Antwort auf unsere Frage im Juni: Neuer Beruf – besseres Leben?

Euer Sebastian