2011
Jul
1

Homefront – Ein Antikriegs-Shooter?

avatar Fränzn

Foto: THQ

Bild 4 von 4

Homefront hat viele spielerische Schwächen, wie zum Beispiel gegnerische Soldaten, die im Kampf einfach neben einem stehen bleiben und Pause machen. Eine Stärke: Dieses Kampfbuggy wird per Fernsteuerung auf Panzer und Hubschrauber gehetzt und schafft Abwechslung im sonst nur überdurchschnittlichen Ego-Shooter.

Es ist 2027. Ein zur Weltmacht erstarktes Nordkorea überfällt und besetzt die USA. Kim Jong-un erhält den Nobelpreis. Wer lacht da? Auch wenn der Autor von “Homefront” (John Milius) auch der Schreiberling der 80er-Jahre Trash Action “Die rote Flut” mit Patrick Swayze ist – “Homefront” meint es ernst.

“Homefront” schockiert. Exekutionsszenen auf offener Straße, Internierungslager vollgestopft mit weinenden, dahinsiechenden Menschen, Schaufelbagger, die Massengräber auf Footballfeldern mit Leichen füllen, unter denen man sich dann verstecken muss,  schreiende Babies im Kugelhagel. 

Ständig habe ich mich gefragt: “Ätzend! Wieso soll ich das spielen?”

Rambo 4 Effekt

Wer die Gewaltorgie “John Rambo” gesehen hat, der kann ungefähr nachvollziehen, was “Homefront” mit einem machen will. Nach einer halben Stunde “John Rambo” kann man die Grausamkeiten fast nicht mehr ertragen, die das Militär in Myanmar an der unschuldigen Bevölkerung verübt.

Dann möchte man die eigene Wut rausschreien: “Töte sie alle Rambo.  Sie haben es verdient!” Das macht er dann auch. Und am Ende kommt die bittere Erkenntnis, dass auch John Rambo nur ein Schlächter ist.  Als Zuschauer fühlt man sich dann schlecht und ertappt.

Amerikanischer Patriotismus

Dieses Gefühl kann “Homefront” aber nicht auslösen. Die Grausamkeiten schrecken nur ab und werden nicht zu empathischen Momenten. Sie wirken wie aneinandergereihte Schockmomente. Die Widerstandskämpfer bleiben Charakterhülsen. Die Szenerie ist ganz weit weg von einem. Das letzte Überbleibsel an Motiv für den Widerstandskampf in “Homefront”, amerikanischer Patriotismus, löst bei mir noch mehr Ekel aus. Dieses Spiel hat sein Potential total verschenkt. Es hätte der erste Antikriegs-Shooter sein können. Am Ende aber bleiben Selbsterkenntnis und Katharsis aus.

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