Archiv für Juli 2011

2011
Jul
29

“Zelda – Ocarina of Time 3DS” – Verkaufe alt als neu!

avatar Fränzn

Foto: Nintendo

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Alleine bei diesem Artwork kriegen viele Videospieler feuchte Augen. "Ocarina of Time" gilt als eines der besten Games aller Zeiten.

25 Jahre Zelda-Games. Nach Klempner Mario ist der Grünschnabel Link definitiv die beliebteste Nintendo-Figur. Das beste Zelda, „Ocarina of Time“ von 1998, ist zum Jubiläum neu aufgelegt worden. Als 3D Version für den Handheld 3DS.

Jubiläumszuckerl

Die Geschichte von „Ocarina of Time“ kannte man damals schon aus früheren Zelda-Teilen: Helden-Grünschnabel Link muss Prinzessin Zelda und damit auch die ganze Welt vor dem bösen Ganon retten. Dafür erlernt Link einen Haufen Fähigkeiten, sammelt magische Artefakte und befreit mystische Wesen, die in Wald-, Feuer- oder Wassertempeln versteckt oder gefangen sind.

Das Revolutionäre war: „Ocarina of Time“ hat festgelegt, wie ein Action-Adventure in der Post-2D-Ära auszusehen hat. Diese Maßstäbe gelten bis heute. Wie man sich in einer räumlichen Polygonwelt bewegt, wie man in ihr kämpft, wie ihre Level und ihre Welt aufgebaut sind – ein „God of War 3“ ist in seinem Grundgerüst nichts anderes als ein „Ocarina of Time“ in anderem Gewand. Und: „Ocarina of Time“ gilt noch vor „GTA 3“ als erstes dreidimensionales Open-World-Game.

Immer noch einzigartig

Jetzt also die übrigens dritte Neuauflage des Games, diesmal für den 3DS. Und es kann tatsächlich immer noch mithalten. Bis auf das katastrophale Speichersystem, das einen immer wieder zu sinnlosen und ewigen Laufwegen von A nach B zwingt, spielt das Game auf alleroberstem Handheld-Action-Adventure-Niveau mit. Mit den Ideen, die in „Ocarina of Time“ stecken, machen andere zehn Spiele. Es gibt kaum einen Moment, wo sich etwas wiederholt. Fast jeder Gegner braucht eine eigene Strategie. Jedes Dungeon setzt einem neue Herausforderungen vor. Das Game ist ein weiteres Manifest dafür, was für ein genialer Spieledesigner Mario- und Link-Erfinder Shigeru Miyamoto ist.

Fader Beigeschmack

Eins aber stört mich. Nintendo zehrt damit schon arg von seiner Vergangenheit. Sie machen mir ein 13 Jahre altes, grafisch aufpoliertes Game als DAS Kaufargument, als DEN Blockbuster für ihren Handheld schmackhaft. Der 3D Effekt ohne Brille haut mich zwar immer wieder um. Ein paar Mal aber hab ich mich dabei ertappt „Ocarina of Time“ ohne Effekt zu spielen und hab es nicht einmal gemerkt. Jetzt hoffe ich auf das „Super Mario 3DS“, das eine tatsächliche Neuentwicklung ist und den 3D-Effekt nicht nur als optischen Reiz, sondern auch als spielerisch relevantes Element einsetzen soll.

2011
Jul
28

New Hits From The Blog // themusicninja

avatar Karo

Ihr könnt euch nicht für ein Musikgenre entscheiden? Ihr seid von den ständigen Posts bei Facebook, Twitter und co überfordert? Der Musikdschungel im Internet macht euch zu schaffen? Es gibt eine Lösung. Völlig freiwillig versorgt euch das Blog Music Ninja seit 2008 mit den besten aus allen musikalischen Welten.

Der fleißige Mensch hinter themusicnina.com nennt sich Bas und ist Held tausender Follower. Er will faulen Radiostationen, die immer dasselbe runternudeln, die Hörer klauen. Und nach eigener Aussage hat er auch schon ein paar Ke$ha-Fans aus den Händen des Bösen befreit. Bas bespricht nicht nur, was er findet und allgemein gehypt wird – er freut sich auch über Musik, die man ihm schickt. Und nun tretet ein in den Dojo des Musik-Ninjas:

Alexander Feat. The RZA – Truth
Dass Alexander, der Mann aus L.A., noch nicht der neue Indie-Superstar ist, liegt sicherlich nicht an seiner Musik. Wahrscheinlich eher an seinem Namen, den man gar nicht erst googeln braucht, wenn man nicht mindestens Rough Trade mitsucht. Oder Breaking Bad. Alexander ist nämlich einer der glücklichen Nicht-Superstars, die es auf einen Mainstream-Seriensampler geschafft haben. Natürlich passt Alexanders Italo-Western-Sound hervorragend zur abseitigen Serie um den Chemielehrer, der versucht seine Arztrechnung durch das Herstellen und Verkaufen von Crystal Meth zu finanzieren. Der Song von Alexander scheint neben den Machern von Breaking Bad auch RZA zu gefallen, der bei dieser Version von “Truth” eine Strophe beisteuert.

Washed Out – Wicked Game
Anfang Juli erschien “Within and Without”, das erste Album von Washed Out alias Ernest Greene aus Perry in Georgia. Spätestens seitdem führt für Chillwave-Affine kein Weg an ihm vorbei. Für Chillwave-Einsteiger eignet sich besonders sein Chris-Isaak-Cover “Wicked Game”, das nicht auf dem Album enthalten ist, aber natürlich durch alle Blogs wandert. Am Arrangement hat Greene nicht viel verändert, doch der Song trägt ohne Zweifel seine Handschrift – zum einen natürlich durch die Instrumentierung, aber auch durch die geisterhaften und trotzdem geistvollen Vocals.

Cazzette vs. Adele – Set Fire To The Rain (A Stupid Hole Booklet)
Es ist oft ein schmaler Grat zwischen Elektro und Pop. Dann kann man ja gleich noch einen Adele-Remix machen, dachten sich wohl Cazzette aus Schweden. Aber man kann es schließlich auch besser machen als die Konkurrenz und die “Adele ist doch eh schon überall”-Nörgler mit diesem Bastard aus House und Dubstep zum Schweigen bringen. Da wünscht man sich fast, Adele würde ihre manchmal schon arg glatte Popmusik an den Nagel hängen und Katy B in das Land der wabernden Bässe folgen. Allerdings fließt da wahrscheinlich weniger milk and money, äh, honey…

Megafaun – These Words
Megafaun aus North Carolina sind bärtige Männer, die sich nicht so ganz entscheiden können, ob sie Folk, Elektro oder Post-Irgendwas machen. Müssen sie aber auch gar nicht, solange es sie nicht stört, dass man ihre Musik experimentell oder Freak-Folk nennt. Hörbar ist es allemal dank der immer wiederkehrenden, warmen Melodien und Chorgesänge. Sie könnten sowohl mit Animal Collective als auch mit Bon Iver auf Tour gehen. Mit letzterem waren sie ohnehin mal in der Band DeYarmond Edison, die sich 2006 aufgelöst hat.
Im September erscheint das vierte, selbstbetitelte Album von Megafaun.

2011
Jul
22

Sword & Sorcery EP – Märchenhaft magisches Game!

avatar Fränzn

Foto: Superbrothers

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Ich glaube dran! Was sollte mich daran hindern, in einem Videospiel über Wasser zu laufen. Genau: Nichts!

Vielleicht bin ich deshalb so fasziniert von „Sword & Sorcery“ EP, weil ich im Bayerischen Wald aufgewachsen bin. Der Wald hatte für mich immer etwas faszinierend Unergründliches, etwas Geheimnisvolles, Märchenhaftes und manchmal Melancholisches. “Sword & Sorcery EP” bringt mir diese Magie auf meinen Tablet-PC oder mein Smartphone. Und ist auch unabhängig von meiner Herkunft ein ganz besonderes Spiel.

Kindliche Neugierde und Fantasie

Wie in einem Point&Click Adventure lenke ich meine Spielfigur per Fingerzeig durch den geheimnisvollen Wald. Ich befreie Waldgeister, indem ich mit meinem Finger Baumstämme zupfe wie Gitarrensaiten, woraufhin sie singend gen Himmel entsteigen. Ich tauche in die Träume der Waldbewohner ein, wo ich über Wasser laufe, und so eine zuvor unerreichbare Waldlichtung besuchen kann. Mit einem einfachen Fingerwisch über den Himmel tausche ich den Mond mit seinem Spiegelbild im Wasser aus, und es öffnet sich ein Tor. Neugierig mit den Fingerspitzen die Spielwelt betasten und die eigene, kindliche Phantasie ankurbeln – so kommt man in “Sword & Sorcery EP” weiter.

Der Soundtrack des Waldes

Dazu kommt der beste Videospielsoundtrack seit langem. Das Spiel ist schon fast um die verträumten Klänge des kanadischen Singer-Songwriters Jim Guthrie herumprogrammiert. Ja, man könnte sogar an manchen Stellen meinen, alle Musik und alle Soundeffekte sind das Game. Das Highlight: Einmal trifft man Jim Guthrie im Wald und spielt mit ihm zusammen einen Song. Da verschmelzen Welten miteinander.

Sich verlieren zwischen den Bäumen

So entfaltet “Sword & Sorcery EP” auch seine tiefere Wirkungskraft: Durch das Zusammenspiel von Musik, Optik, Haptik und Fantasie. Man hat einfach das Gefühl, in eine magische Welt einzutauchen. Schon lange bin ich mir beim Zocken eines Videospiels dessen nicht mehr so bewusst gewesen. Bei “Limbo” vielleicht noch. Aber sollte dieses Gefühl nicht eigentlich jedes Videospiel auslösen?

2011
Jul
21

New Hits from the Blog // Supercity

avatar Fränzn

Der österreichische HipHop-Blog Supercity lässt sich gar nicht so klar einordnen. Fast 20 Autoren hat die Seite und dementsprechend breit ist das HipHop Angebot. Von sonnigem Westcoast-Gangsta bis glitchiger Beatszene wird alles geblogt, was cool is und irgendwas mit Rap zu tun: Den Wahnsinnsauftritt des amerikanischen Comedy-Rappers Reggie Watts bei Conan O’Brien, den Trailer zum neuen Rap-Aufreger-Film „Homies“ mit Jimi Blue Ochsenknecht und natürlich kann man hier vor allem auch die neuesten österreichischen Raps entdecken.

Soundtruck aka Flip – Mein Baby (Blauweiss Remix)

Wirklich coole Fußballsongs sind selten. Meist sind es Mitgröhl-Nummern mit billigen Texten oder gleich Proll-Techno-Tracks. Ein paar aber sind richtig fett: Olli Banjos „Bayern München“ zum Beispiel oder Skero’s „Fuaßboi“. Texta-Kollege Flip hat jetzt einen neuen Fußballraptrack am Start: „Mein Baby“ im Blauweiss Remix. Mit „Blauweiss“ ist der FC Blauweiss Linz gemeint. Mit im Team sind Welly Jr., Sam, Huckey, Dan & Andy. Leicht melancholischer Beat, viel Gefühl in den Texten, echte Fußballleidenschaft.

Chris Brown x Hudson Mohawke – Real HipHop Sh*t 2

Chris Brown hat ein Album gemacht. Für Mädels, die sich gern auf weichem R&B-Samt betten lassen, für die Banger im Black-Schuppen, für die Großraumdissenstyler. „F.A.M.E.“ heißt es. Die Streetsingle “Look at me now“ mit Busta Rhymes und Lil Wayne ist der Hammer, logo. Viel spannender aber ist grad seine „Real HipHop Sh*t“-Videoreihe, die er so nebenbei ins Netz stellt. Da singt zwar auch, aber hauptsächlich rappt er, spittet sogar einen auf. Mal über einen GlitchHop Beat, einen 9th Wonder BoomBap-Beat, mal über einen Hudson Mohawke Beat. Fett, fett, fett! Bitte ein ganzes Album davon.

Beat Power

Wie groß die Beat-Szene in Deutschland gerade ist – einfach mal in „Beat Power“ reinhören. Twit One, Kölner und Entourage Mitglied, hat 31 Beatbastler zusammengetrommelt für seine zweite Beatbibel. 38 Psalme ist Beat Power stark. Das Sample ist heilig. Der Umgang mit dem Sample weniger Metzgersarbeit als plastische Chirurgenkunst ohne Silikon. Ich kann davon nicht genug kriegen. Ein Vinyl dazu erscheint auf „Augenringe unter dem dritten Auge“-Records. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Common feat. Nas – Ghetto Dreams

Ein neues Common Album erscheint am Horizont. „The Dreamer, The Believer“ wird es heißen und soll noch 2011 kommen. Nach „Summer Madness“ kommt mit „Ghetto Dreams“ ein weiterer Vorabhappen in Schnappweite. Produziert von No I.D.. Der hat nicht nur Common zu seiner Rap-Karriere verholfen, sondern auch noch Kanye West entdeckt und für Jay-Z ein paar Hits produziert. Das Zuckerl oben drauf: Rap-Legende Nas.

2011
Jul
14

New Hits From The Blog // Beat Control

avatar Fumi

Was wir früher noch von besten Freunden auf Kassette zum Geburtstag bekamen, später dann auf CD mit selbstgebasteltem Cover, kommt auf Beat Control als MP3 File zum Download. Die Macher aus Hamburg haben es geschafft  die Romantik des Mixtapes in die digitale Zeit zu retten. Seit 2009 basteln Martha Hari, The Alphabet Pony und Johannes D. Täufer alle zwei Wochen ein perfektes Mixtape und bieten uns Klänge für alle Lebenslagen.

„Wir haben dir ein Mixtape gemacht“

Musikalisch kommt der Blog eindeutig aus der Pop-Ecke mit viel Beat, aber ab und an auch feinem Elektro. Von Santigold, Austra, M.I.A über den Elektroburschen Sebastian fehlt nix. Beat Control ist immer vorne mit dabei und hat fix die Hype-Singles schon auf dem Mixtape. Passt auch, dass Johannes D. Täufer und Martha Hari oft hinter dem DJ Pult im Hamburger Übel&Gefährlich zu finden sind und The Alphabet Pony als Musikchef eines Studentenradios sein Unwesen treibt – deshalb wird auch jedes Tape in Echtzeit live gemischt und nicht nur am Computer zusammengestellt.

 Ein Beat Control Mixtape ist ein Gesamtkunstwerk.

Das Paket beinhaltet eine mit Details gespickte Tapebeschreibung und das eigens designte Mix-Cover. Die Tapes haben alle ein Motto: „All signals pop“ ist voller popmusikalischer Hits! Hits! Hits!, „Hold on to your misery“ ist die musikalische Hilfe raus aus dem Shit des Lebens, frei nach dem Motto CTFO – Chill the fuck out. In der Beat Control Facebook Gruppe findet man dazu die Tracklist.

Moonlight Matters

Das aktuelle Tape kommt übrigens direkt nach dem Melt! Festival von The Alphabet Pony zum Thema „Moonlight Matters“. Namensgebend ist hier übrigens der gleichnamige belgische DJ, der gerade super Remixe macht, von denen mindestens zwei auch im neuen Tape zu hören sein werden.
Benny aka The Alphabet Pony hat außerdem verraten, dass folgende Tracks auf dem Tape sein werden:

Ada – The Jazz Singer
Den Track kennt man schon von den No Kids, und die Hamburgerin Ada hat ihn sich für ihr Debütalbum „Meine zarten Pfoten“ ausgeborgt. Meiner Meinung steht dem Track das Remake tiptop! Die leichten Beats unter der zarten Stimme… ein absoluter Sommertrack!

The Kills – Blue Moon
Bekannt für ihre schmucken B Seiten haben sie auf ihrer neuen EP „Future starts slow“ diesen Track mit dabei.  

Ein Tipp zum Schluss: Beat Control ist gerade erst auf die Tumblr-Adresse umgezogen. Wem die gebotenen Mixtapes nicht reichen, für den gibt es auf ihrer Blogspot-Adresse die komplette History seit 2009. Musik à porter – zum einstecken und mitnehmen.

2011
Jul
7

New Hits From The Blog // The Stay Spun

avatar Philipp

 

Ein Münchner in Minneapolis, Ellie Goulding im Dubstep-Fleischwolf und zweimal James Blake in völlig unterschiedlichen Remixen. Der amerikanische Blog “The Stay Spun” bringt all das zusammen.

Falty DL – Brazil (Trrbo & Cat People Remix)

Der Münchner Jakob Merten hat zwei Gesichter: unter dem Pseudonym Tim Turbo schwingt er die allerdickste Rave-Keule und zertrümmert damit allerlei Weltmusik-Samples. Als Trrbo schaltet er mindestens acht Gänge runter und schleicht durch schwach ausgeleuchtete Dubstep-Welten. Call it Post-Dub-Whateverstep!

Ellie Goulding – Lights (Bassnectar Remix)

Das Original des britischen Singer-Songwriter-Sternchens klingt natürlich deutlich zuckriger und ziemlich cheesy. Pop eben! Der kalifornische Produzent Bassnectar schickt das Goldkehlchen einmal durch seinen Elektro-Häcksler und pumpt den Song mit ordentlich Bass auf Club-Größe. Dubstep eben!

James Blake – I Never Learnt To Share (Danny T. Remix)

Wo das Original ziellos durch den Raum schlingert und strauchelt, weiß die Version von Danny T. genau wohin sie will: auf die Tanzfläche! Der Remix klingt fast schon gut gelaunt und definitiv tanzbarer – eine Mischung aus britischem Funky-House und Oldschool-Rave-Referenzen. So einfach macht man traurige Whateverstepper tanzen!

James Blake – I Never Learnt To Share (Sun Hammer Remix)

Kollege Sun Hammer treibt den Ansatz von Blake hingegen auf die Spitze. Schicht für Schicht baut er aus winzigen Versatzstücken des Originals ein echtes Monster von einem Track – ein James-Blake-Frankenstein-Sun-Hammer-Hybrid sozusagen! Die kleinen Schnipsel, Fetzen, Knickser und Knackser hört man übrigens am besten über den Kopfhörer.

2011
Jul
1

Homefront – Ein Antikriegs-Shooter?

avatar Fränzn

Foto: THQ

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Die fiktiven Ereignisse vor dem Überfall der Nordkoreaner auf die USA kann man im Game in alten Zeitungen nachlesen. Die wirken oft unfreiwillig komisch. Das sind aber die einzigen Momente zum Schmunzeln. "Homefront" ist beinhart.

Es ist 2027. Ein zur Weltmacht erstarktes Nordkorea überfällt und besetzt die USA. Kim Jong-un erhält den Nobelpreis. Wer lacht da? Auch wenn der Autor von “Homefront” (John Milius) auch der Schreiberling der 80er-Jahre Trash Action “Die rote Flut” mit Patrick Swayze ist – “Homefront” meint es ernst.

“Homefront” schockiert. Exekutionsszenen auf offener Straße, Internierungslager vollgestopft mit weinenden, dahinsiechenden Menschen, Schaufelbagger, die Massengräber auf Footballfeldern mit Leichen füllen, unter denen man sich dann verstecken muss,  schreiende Babies im Kugelhagel. 

Ständig habe ich mich gefragt: “Ätzend! Wieso soll ich das spielen?”

Rambo 4 Effekt

Wer die Gewaltorgie “John Rambo” gesehen hat, der kann ungefähr nachvollziehen, was “Homefront” mit einem machen will. Nach einer halben Stunde “John Rambo” kann man die Grausamkeiten fast nicht mehr ertragen, die das Militär in Myanmar an der unschuldigen Bevölkerung verübt.

Dann möchte man die eigene Wut rausschreien: “Töte sie alle Rambo.  Sie haben es verdient!” Das macht er dann auch. Und am Ende kommt die bittere Erkenntnis, dass auch John Rambo nur ein Schlächter ist.  Als Zuschauer fühlt man sich dann schlecht und ertappt.

Amerikanischer Patriotismus

Dieses Gefühl kann “Homefront” aber nicht auslösen. Die Grausamkeiten schrecken nur ab und werden nicht zu empathischen Momenten. Sie wirken wie aneinandergereihte Schockmomente. Die Widerstandskämpfer bleiben Charakterhülsen. Die Szenerie ist ganz weit weg von einem. Das letzte Überbleibsel an Motiv für den Widerstandskampf in “Homefront”, amerikanischer Patriotismus, löst bei mir noch mehr Ekel aus. Dieses Spiel hat sein Potential total verschenkt. Es hätte der erste Antikriegs-Shooter sein können. Am Ende aber bleiben Selbsterkenntnis und Katharsis aus.