2010
Mai
12

Mein Kirchentag (1): Clemens Finzer und die Arche2010

Ein Schwertransport der anderen Art: Das ist eines meiner ersten Erlebnisse, noch ehe der 2. Ökumenische Kirchentag überhaupt offiziell begonnen hat. Ein Holzschiff, die Arche2010 muss von ihrem Bauplatz auf das Gelände des Olympiaparks geschleppt werden: etwa zwei Kilometer weit nur mit Muskelkraft – denn das ganze Schiff ist Handarbeit. Keine leichte Aufgabe, die sich die etwa 30 Azubis, Jugendlichen und Erwachsenen vorgenommen haben. 10 Meter lang, vier Meter breit und vier Meter hoch ist die Konstruktion und wiegt immerhin viereinhalb Tonnen.

© Clemens Finzer

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Die Arche2010 ...

Bilder: Clemens Finzer

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Peter Rappenglück ist dafür genau der Richtige. Er ist Chef der Einrichtung „Lernen am Bau“, hat die ursprünglichen Pläne der Arche überarbeitet und leitet nun den Transport. Alles hört auf sein Kommando. Aber als Sklaventreiber mit der Pfeife statt der Peitsche will er sich nicht verstanden wissen. Es sei wegen des Zusammenhalts, dass alle gleichmäßig zögen, sagt Rappenglück. Für die Angetriebenen kein Thema – sie akzeptieren seine Anweisungen und Pfiffe. „Das braucht es, bei so vielen windigen Leuten“, sagt Michael mit einem Lachen und hängt sich wieder in die Seile.

Muskelkraft und Augenmaß

Die Wegstrecke ist aber auch knifflig: immer wieder ist Augenmaß gefragt, wenn das Monstrum zwischen geparkten Autos hindurch geschoben werden muss. Manchmal sind sogar zusätzliche Pferdestärken gefragt. – Aber auch die sind kein Garant dafür, dass es weitergeht. Plötzlich gibt es einen Knall. Das Seil sei gerissen, erklärt Michael. Aber das bedeute keinesfalls das Ende des Archeprojekts. “Nein, wir müssen nur auf ordentlich viel Wasser warten, dann schwemmen wir die Arche zum Olympiagelände.“

Humor ist gefragt

Michael und die anderen nehmen es mit Humor – ohnehin habe ich den Eindruck, dass es hier trotz der schweren Arbeit recht fröhlich zugeht. Auch von konfessionellen Spannungen ist nichts zu spüren. Obwohl? Da sind schon Kommentare zu hören wie: „Das ist doch sowieso klar: die Stärksten sind die Evangelischen“.

Eine Tonne Überlast

Ein Schild weist auf 3,5 Tonnen als Höchstlast ausUnd plötzlich geht es wieder zur Sache, die Arche nimmt Fahrt auf rattert über Bodenschwellen. Zwar riecht es nach verschmortem Holz, doch Peter Rappenglück ist zufrieden. Denn vor den Schwellen habe er am meisten Angst gehabt, gesteht er erleichtert. Da sei man aber mit Hurra drüber.

Auch weitere Hindernisse werden noch überwunden und eine Brücke muss überquert werden. Sie ist eigentlich nur für dreieinhalb Tonnen Gesamtgewicht ausgelegt. Doch die Optimisten setzen sich durch.

Und tatsächlich: Hoffnung hilft

„Das passt, weil wir Hoffnung haben, das ist das Motto des Ganzen: Damit Ihr Hoffnung habt und deswegen kommen wir da drüber trotz einer Tonne Überlast.“

Geschafft: Nach einigem mühsamen Justieren ist die Arche2010 nicht nur über der Brücke, sondern sie steht auf ihrem Platz bei der Eventarena im Olympiagelände. Jetzt können sich Interessierte dort beispielsweise über bedrohte Tierarten oder Greenpeaceprojekte informieren. Nach vielen Stunden Arbeit sind nicht nur die jugendlichen Mitarbeiter am Archeprojekt stolz und voller Bewunderung. Eine Anwohnerin: „Ich habe den Bau mitverfolgt, weil ich gleich um die Ecke wohne. Ich finde die Arche ein tolles Symbol, dass das gemacht wird. Was hier vollbracht worden ist, von so vielen Freiwilligen und auch das so weit zu schieben und transportieren – das ist eine Meisterleistung, toll!

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